Kurt Kosin auf der Spur

31. August 2010

Letzte Woche hatte ich in diesem Beitrag ja schon von “Netto-Chefkoch” Kurt Kosin berichtet, der im wöchentlichen Prospekt des gleichnamigen Discounters Produkte bewirbt, über den aber bei einer Internet-Recherche nicht wirklich etwas herauszufinden ist. Nicht nur ich bin auf der Spur dieses Rätsels, sondern auch Radio 7 Hörer Tobias aus Wilflingen, der mir freundlicherweise die Arbeit erspart hat, den neuen Prospekt abzufotografieren:

(Klickstu für größeres Bild)

Tobias kommentiert: “Kurt Kosin muss sich wohl innerhalb kürzester Zeit zum Asiaten gewandelt haben”. In der Tat preist der “Chefkoch”, der einem echten Chinesen wirklich zum Verwechseln ähnlich sieht, jetzt vor allem asiatische Produkte an, dieses Mal aber erfreulicherweise nicht nur Fertigprodukte, sondern auch so was Exotisches wie Schweinegeschnetzeltes, Champignons oder Tiefkühl-Ente (der Fairness halber: es sind hauptsächlich asiatisch anmutende Produkte auf der Seite). Und damit nicht genug, sogar ein Rezept (!) zum Nachkochen (!) ist abgedruckt, für das der “Chefkoch” sicherlich ganz tief in die Trickkiste gegriffen hat. “Chinagewürz” lese ich da  in der Zutatenliste. Wow. Die Zunft der Köche kann stolz sein auf Kurt Kosin – einen von ihnen.

DerPauls sagt: Hinweise auf die Identität von Kurt Kosin nimmt weiterhin jede Pommesbude zwischen Flensburg und Füssen entgegen.

Bir gün, bir kelime: kurt – Wolf


Bücherregal (23/2010)

30. August 2010

Josh Bazell – Beat the Reaper
(Dt. Titel: Schneller als der Tod)

Nach “Frankie Machine” mein zweiter Mafiakrimi dieses Jahr. Zwar – das vorweg – nicht so gut wie Don Winslows Buch, aber sehr unterhaltsam und durch ein besonderes “Setting” interessant.

Die Geschichte: Peter Brown ist Arzt am Manhattan Catholic Hospital. Und das ist er als Teilnehmer des Zeugenschutzprogramms, denn früher hat er eher dafür gesorgt, dass die Leute ins Krankenhaus kamen, in der Regel sofort in die Pathologie, denn früher war er ein “Hitman”, ein Killer im Auftrag der Mafiagröße David Locano. Eines Tages fliegt seine Tarnung jedoch auf, denn ein “Kollege” aus früheren Zeiten wird Dr. Browns Patient im Manhattan Catholic. Und der Mafioso stellt ihn vor die Wahl: entweder Du heilst meinen Krebs – oder ich sage der Familie, wo sie Dich finden kann. In Rückblicken erfährt man nun die Vorgeschichte des Arztes, immer im Wechsel mit der Gegenwart, in der er mit seinem speziellen Patienten, seinen übrigen Patienten, den Widrigkeiten des Gesundheitssystems und der Angst vor Entdeckung kämpft.

Der Pauls sagt: Autor Josh Bazell besitzt Universitätsabschlüsse in Literatur und Medizin, so dass er sich im Krankenhausmilieu nicht nur auskennt, sondern auch unterhaltsam darüber schreiben kann. Unterhaltsam und erschreckend, denn sein Buch ist nicht nur ein Mafiakrimi, sondern auch eine Anklage gegen das amerikanische Gesundheitssystem und seine teils menschenverachtenden Strukturen. Eine Mischung aus Dr. House und den Sopranos, schreibt “Entertainment Weekly” laut Klappentext und das trifft es eigentlich ganz gut. Bei der Beschreibung der Geschichten aus Dr. Browns Mafiazeiten fehlt teilweise etwas die Spannung, dennoch ist das Buch schöne und (den medizinischen Teil betreffend) lehrreiche Unterhaltung mit einem extrem geilen Showdown.

Bir gün, bir kelime: kemik – Knochen


Bücherregal (22/2010)

27. August 2010

Christian Ankowitsch – Dr. Ankowitschs illustriertes Hausbuch

Mal wieder ein Buch aus der Rubrik “Klolektüre”, das man so häppchenweise nebenbei liest.

Darum geht’s: Die wahre Größe der Arche Noah, wie man streifenfrei Fenster putzt, wichtige botanische Symbole, Stoßtechniken beim Billard, die zwölf Arbeiten des Herakles, den Altersvergleich zwischen Mensch und Hund, wie ein Atoll entsteht, die Termine der Sonnenfinsternisse bis 2020, wie man einen Iglu baut, internationale Elektrostecker-Typen, den Verdauungsapparat des Hausrinds, die Akupunkturpunkte des Ohrs, … und noch viel, viel mehr Fakten aus allen nur erdenklichen Bereichen.

Der Pauls sagt: Fast alles in diesem Buch ist interessant, vieles fällt sicherlich in die Rubrik “Unnützes Wissen”, manch unerwartete Erkenntnis ist aber auch dabei – wie dünn etwa die Erdkruste ist, auf der wir leben und bauen – und auch manch praktische Anleitung, die das Buch zu einem nützlichen Nachschlagewerk macht, wie z.B. die Herstellung einer stabilen Seitenlage oder welche Lebensmittel man laut Etikette mit der Hand essen darf.

Bir gün, bir kelime: kullanışlı – praktisch, nützlich


Adieu Michel

25. August 2010

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich Bilder von mir aus Kindheit und (zumindest früherer) Jugend sehe, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass ich mal schlank, also richtig schlank war. Werde ich wahrscheinlich nie wieder werden, aber im Vergleich zu vor zehn Jahren kann ich mit meinem Gewicht inzwischen sehr gut leben – es sind ja auch 30 Kilo weniger. Die hatte ich mir schlicht und einfach durch Unvernunft angefressen, was mir eine Zeit lang ziemlich egal gewesen war, bis es mir dann reichte und ich unbedingt etwas unternehmen wollte. Noch bevor ich mich richtig damit beschäftigt hatte, wie ich das am besten angehe, empfahl mir der Direktor des Aachener Casinos (damals gute Kunden meines Arbeitgebers “Aachen 100,eins”) die Montignac-Methode mit den Worten “Sie müssen einfach nur die  Beilagen weglassen, Herr Pauls!”.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber ich kaufte mir das Buch und war sofort überzeugt,  das Richtige für mich gefunden zu haben, hatte ich doch keinen Bock auf Punkte zählen oder das Öl zum Anbraten abzuwiegen. Seit inzwischen sieben Jahren richte ich mich nun nach den Empfehlungen Michel Montignacs, der übrigens Quereinsteiger in die Ernährungsbranche war – als Vertreter der Pharmaindustrie war er damals auf der Suche nach einer Methode, sein durch Geschäftsessen angesammeltes Übergewicht loszuwerden und entwickelte die Methode selbst, deren Bücher inzwischen millionenfach verkauft und in 25 Sprachen übersetzt wurden. Eines der auf Deutsch erschienenen Exemplare hat mein Leben zum Positiven verändert.

Heute hat seine Tochter in ihrem Blog bekanntgegeben, dass Michel Montignac am Wochenende gestorben ist.

Der Pauls sagt: schweigt.

Bir gün, bir kelime: kilo vermek / zayıflamak – abnehmen


Wer ist Kurt Kosin?

23. August 2010

Auf meinem Briefkasten prangt kein “Keine Werbung”-Aufkleber, denn einige der wöchentlich in Massen einflatternden Prospekte durchforste ich tatsächlich nach Schnäppchen und Sonderangeboten (schon zu lange unter Schwaben halt). Zum Beispiel den von Netto. In der aktuellen Ausgabe stieß ich auf “Netto-Chefkoch Kurt Kosin” (klickstu für größeres Foto):

Ich hab da ein paar Fragen: wozu braucht ein Lebensmitteldiscounter einen Chefkoch? Ist Kurt Kosin überhaupt echt (eine Google-Suche hat keine befriedigenden Erkenntnisse gebracht)? Und vor allem – warum sollte ein Chefkoch diese “Gerichte” empfehlen:

- Kartoffelpüree-Pulver
- Würstchen aus dem Glas
- fertig belegtes Baguette
- Fertignudeln
- fertiger Pizzateig
- Hähnchenbrust-Fertiggerichte
- fertigen Pfannkuchen
- Fertigsuppen-Pulver
- vorgegarten Reis
- Mikrowellen-Gemüse
- Suppen und Ravioli aus der Dose?

Der Pauls sagt: Jedem “Chefkoch”, der sowas empfiehlt, gehört Berufsverbot erteilt.

Bir gün, bir kelime: kutu – Dose


Bücherregal (21/2010)

17. August 2010

Shalom Auslander – Foreskin’s Lament
(dt. Titel: Eine Vorhaut klagt an)

Respekt vor dem Glauben, Kritik an den Religionen – eine Einstellung, die ich trotz unterschiedlicher Einstellung zu einem Gott mit Shalom Auslander teile. Und der Titel des Buches (vorweg: es wird so lustig, wie es sich anhört) tat sein Übriges, das musste ich einfach lesen.

Darum geht’s: “Diese Memoiren lassen den ‘Gotteswahn’ wie einen Gemeindebrief erscheinen” wird eine der Rezensionen zu diesem Buch zitiert. Richard Dawkin’s “Der Gotteswahn” habe ich ebenfalls gelesen und kann deswegen sagen, dass dieser Vergleich ziemlich hinkt. Denn der entscheidende Unterschied ist: Richard Dawkins ist bekennender Atheist, Shalom Auslander glaubt an Gott – leider, würde er vermutlich aber sagen. In diesem Buch geht es darum, wie er in den 70er und 80er Jahren als Sohn einer strenggläubigen jüdischen Familie in der Nähe von New York aufwuchs. Seine Familie, seine Gemeinschaft, die Rabbis, sie alle prägten sein Bild Gottes: ein strenger, rachsüchtiger, alles sehender, alles wissender, alles lenkender Gott. Das hat extreme Auswirkungen auf das Aufwachsen des jungen Shalom, der große Mühe hat, all die 613 Regeln, die ein gläubiger Jude im Alltag zu befolgen hat, in sein Leben zu integrieren, inmitten all den Verlockungen der Welt, aber auch bei den ganz einfachen Dingen – so beschreibt er, dass er als Kind sicherlich hunderte Male die Rückseite der Müsli-Packung gelesen habe, weil am Sabbat eben so ziemlich alles, was man machen könnte, verboten ist. Oder wie er Leckereien, die für seine christlichen Freunde ganz normal sind (Mc Donald’s zum Beispiel), meiden muss, weil sie eben nicht k0scher sind. Natürlich erliegt er der Reihe nach so ziemlich all diesen Versuchungen und mehr – ständig bemüht, jede einzelne Sünde wieder gut zu machen, damit Gott nicht zur Strafe ihn oder einen geliebten Menschen tötet. Und so wittert er auch hinter allem Guten, was ihm passiert, eine perfide Falle des Allmächtigen.

Der Pauls sagt: Shalom Auslander klagt an. Er klagt Gott an, verzweifelt, flehend, wütend – vor allem aber mit sehr viel Humor. Sein Buch ist Lebensgeschichte, Religionskritik und beste Unterhaltung zugleich. Und am Ende bleibt deutlich – obwohl er sich mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn aus der Enge des orthodoxen Judentums befreit hat, bleibt die Sorge, dass Gott (und Auslander glaubt nicht nur, sagt er, er weiß!) es ihm eines Tages noch einmal heimzahlen wird. Lesen, lachen – und auf keinen Fall die Danksagung am Ende auslassen!

Bir gün, bir kelime: günah – Sünde


Vor Pink

12. August 2010

Beim fantastischen Radio 7 Open Air mit Pink auf Schloss Salem habe ich vor wenigen Wochen die Musik von Butch Walker kennengelernt, den Pink als Vorband für ihren Auftritt engagiert hatte, gemeinsam mit seiner Band The Black Widows.

Das Lied, das die Jungs während des Soundchecks gespielt haben, fand ich absolut geil und hab mich dann fast mehr auf deren Auftritt als auf den von Pink gefreut… ;-)

Jetzt bin ich mal dazu gekommen, mir das aktuelle Album “I Liked It Better When You Had No Heart” zu kaufen, bei iTunes übrigens zum absoluten Schnäppchenpreis von € 6,99 zu haben, und kann es uneingeschränkt empfehlen. Was vor allem bemerkenswert ist: normalerweise gefallen mit (vor allem was ganze Alben angeht) die ruhigeren Lieder nicht so. Auf dieser Scheibe sind die langsameren Stücke aber sogar meine Favoriten, sehr außergewöhnlich! Zum Beispiel:

Der Pauls sagt: Rock’n'Roll, Bitches! ;-)

Bir gün, bir kelime: tavsiye etmek – empfehlen


Bücherregal (20/2010)

11. August 2010

Rafik Schami – Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick

Auf Rafik Schami war ich über sein Interview in “Wickerts Bücher” aufmerksam geworden, wo er u.a. seinen Roman “Das Geheimnis des Kalligraphen” vorstellte. Dieser hat mich jetzt zwar weniger interessiert, dafür aber Rafik Schami als Person und das, was er zu sagen hat über Deutschland und Arabien, über die Menschen und Konflikte dort. Und deswegen entschied ich mich gegen einen seiner Romane und für dieses Buch.

Darum geht’s: Rafik Schami ist christlicher Araber und seit den 1970ern im deutschen Exil lebender Schriftsteller. “Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick” enthält eine Sammlung von Essays, die er seit Beginn der 1990er bis zur Mitte des ersten 2000er-Jahrzehnts geschrieben hat, aufgeteilt in die Kapitel “Bei uns in Syrien”, “Bei uns in Deutschland” und “Ferne, nahe Kollegen”. Zunächst bringt er dem Leser seine Heimat, die uralte syrische Hauptstadt Damaskus nahe, man erfährt viel darüber, wie die Menschen dort und die Araber ganz allgemein “ticken” und über die Sehnsucht Schamis nach seiner Heimat. Im zweiten Teil schreibt er über sein Exil, seinen Blick auf Deutschland und die Deutschen, was seinen beiden Welten verbindet und trennt, seine Sorgen und Hoffnungen diesbezüglich. Und schließlich widmet er im dritten Teil Goethe, Chamisso, Heinrich Heine und dem Schriftsteller David Grossmann jeweils einen Text.

Der Pauls sagt: Ein Blick auf die Vorgänge im nahen Osten und der arabischen Welt und darauf, wie Europa und die westliche Welt diese wahrnehmen und damit umgehen – und zwar anders als der Blick, der größtenteils von Politik und Medien vermittelt wird. Rafik Schami kritisiert gleichermaßen arabische Diktatoren und westliche Regierungen, arabische Sitten und deutsche Sichtweisen, Rückständigkeit auf der einen, Egoismus auf der anderen Seite. Und er versucht zu erklären, warum wir die Araber einfach nicht verstehen, warum es scheitern muss, sie in unser abendländisches Raster zu packen. Und dennoch – Rafik Schami liebt beide Welten und die Menschen darin. Nicht alle seine Texte in diesem Band sind gleich informativ, lehrreich und unterhaltsam, aber so ist das bei einer “Compilation” vielleicht auch nicht zu erwarten. Dennoch, wer nicht so recht verstehen kann, warum es in der arabischen Welt läuft, wie es läuft, wird nach dieser Lektüre um einiges schlauer sein.

Bir gün, bir kelime: doğu – Osten


Nicht ihre Baustelle

10. August 2010

(Klickstu für größer)

Der Pauls sagt: Skulptur upgedatet.

Bir gün, bir kelime: şantiye – Baustelle


Vetternblogschaft

9. August 2010

Dem Namen nach bekannt war er mir schon, aber erst durch dieses interessante Interview mit ihm zum neuen E-Postbrief habe ich mal das Blog des Rechtsanwalts Udo Vetter angeklickt, das bekannte “Lawblog”. Vetter schreibt darin aus seinem Alltag als Rechtsanwalt mit ganz normalen Fällen, wie zum Beispiel einem Fall von Mietminderung oder einem zu Unrecht betriebenen Inkassoverfahren, aber auch über das Justizsystem generell, über Fälle aller Art aus ganz Deutschland und auch prominente Fälle, wie zum Beispiel aktuell über Kachelmann. Informativ, teils sehr unterhaltsam und eine mahnende Stimme in Zeiten der zunehmenden Beschneidung der Freiheitsrechte.

Der Pauls sagt: Lest es, sonst verklag ich Euch! ;-)

Bir gün, bir kelime: dava etmek – verklagen


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