Bücherregal (24/2011)

10. August 2011

Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Darum geht’s: Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt, Strafverteidiger um genau zu sein, und erzählt  in diesem Buch einige Fälle aus seiner Tätigkeit. Zum Beispiel, wie ein angesehener Arzt die jahrzehntelange heftige Demütigung durch seine Frau beendet, indem er ihr Leben beendet – wie ist so ein Mann zu bestrafen? Oder der Fall, in dem ein mutmaßlicher Profikiller ohne Identität von zwei Neonazis angegriffen wird und sie tötet – ist das noch Notwehr? Oder der Mann, der aus lauter Verzweiflung eine Bank überfällt, um endlich wieder zu Frau und Kindern nach Afrika zu können, zu denen man ihn nicht zurückkehren lassen will…

Der Pauls sagt: “Stories” nennt Ferdinand von Schirach sein Buch im Untertitel und tatsächlich beginnt er die Beschreibungen seiner Fälle nicht mit dem Zeitpunkt, an dem er als Rechtsanwalt die Bühne des Geschehens betritt, sondern erzählt die Geschichte von Anfang an. Als Verteidiger ist es dabei natürlich seine Aufgabe, auf Seite seiner Mandanten zu stehen, dennoch gelingt ihm, einigermaßen neutral zu beschreiben, wie den Menschen das passiert ist, was die Justiz auf den Plan rief. Es sind kleine Krimis, die sich ein Schriftsteller nicht besser ausdenken könnte, es ist auch ein kleines Lehrbuch über das Justizsystem in Deutschland. Inzwischen gibt es mit “Schuld” auch eine Fortsetzung, auf die ich mich jetzt freue!

Bir gün, bir kelime: suç işlemek – ein Verbrechen begehen


Bücherregal (23/2011)

1. August 2011

Massimo Carlotto – Die dunkle Unermesslichkeit des Todes

Die Geschichte: Vor fünfzehn Jahren wurden Silvio Contins Frau und sein Sohn von zwei Räubern auf der Flucht erschossen. Der eine wurde nie gefasst, der andere erkrankt nun unheilbar  an Krebs und wendet sich deswegen mit einem Gnadengesuch an Silvio, um nicht im Gefängnis sterben zu müssen. Zunächst will der davon nichts hören, hat die Tat von damals doch sein Leben vom einen auf den anderen Tag zerstört – von einem geselligen, erfolgreichen Mann wurde er zu einem einsamen Wesen, das eigentlich nur noch funktioniert, Tag für Tag, ohne Freude oder ein Ziel. Doch dann erkennt Silvio seine Chance – die Chance, endlich den Komplizen zu finden. Und die Chance auf Rache.

Der Pauls sagt: Ein kleiner, feiner Krimi aus Italien, der auf weniger als 200 Seiten die Grundfragen von Schuld und Sühne stellt und so nachdenklich macht: wie würde ich handeln oder urteilen an Stelle der Protagonisten? Darüberhinaus ein nicht wirklich spannendes, aber unterhaltsames Buch.

Bir gün, bir kelime: bağışlamak – vergeben


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