Bücherregal (27/2011)

20. September 2011

Eric-Emmanuel Schmitt – Odette Toulemonde…

…und andere Geschichten. / Obwohl er mir vielleicht nicht zuerst einfallen würde, ist Eric-Emmanuel Schmitt einer meiner Lieblings-Schriftsteller. Seine Serie kleiner Büchlein über die verschiedenen Weltreligionen ist ein Kleinod, ebenso wie sein “Evangelium nach Pilatus”, die jetzt hier zu besprechende Sammlung von Kurzgeschichten (oder Novellen, wie er sie nennt), stand deswegen schon länger auf meiner Liste. Vorab: hat sich natürlich wieder gelohnt.

Die Geschichte(n): Societylady Wanda Winnipeg wird beim Strandurlaub mit DEM Mann ihrer Vergangenheit, ihres ersten Lebens konfrontiert. Die “kalte Hélène” ändert ihren pessimistischen Blick auf die Menschen, aber leider erst durch einen Schicksalsschlag. Eine fremde Frau treibt in der Wohnung von Odile ihr Unwesen, doch niemand ausser ihr kann sie sehen – und warum hat ihr Mann eine Zweitfrau, die plötzlich auch noch bei ihr am Tisch sitzt? Aimée hat jahrelang ein Verhältnis mit ihrem Chef und dann will er sie mit einer billigen Picasso-Fälschung entschädigen – doch nicht mit ihr. Isabelle entdeckt, dass ihr Mann einen Sohn mit einer anderen hat – erst ist sie fassungslos und wütend, bis sie mit ihrem Psychiater darüber redet. Ein abgehalfteter Schauspieler kehrt zurück in die Stadt, in der eine Prinzessin ihm einst einen unvergessenen Abend bereitete – doch wie kann er sie wiederfinden? Odette verehrt den Schriftsteller Balthazar Balsan und als er eine schwere Zeit durchmacht, schreibt sie ihm einen Brief – nichtsahnend, dass er daraufhin vor die Tür ihrer Sozialwohnung und in ihr Leben tritt. In einem sibirischen Frauen-Gulag setzen die Insassinnen ihre Hoffnung auf Olga, die Neue, denn in deren Haaren könnten sie verstecken, was sie für ihren großen geheimen Plan brauchen…

Der Pauls sagt: Acht tolle kleine Geschichten über (hauptsächlich) Frauen, die einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben erleben. Bewegend, überraschend, toll erzählt. Seelenbonbons für den Alltag.

Bir gün, bir kelime: herkes – jedermann


Bücherregal (26/2011)

12. September 2011

Kerstin Ekman – Hundeherz

Die Geschichte: Ein Hundewelpe wird in den schwedischen Wäldern von Mutter und Herrchen getrennt und ist von nun an ganz auf sich allein gestellt. Um zunächst mal den Winter zu überleben, muss er nicht nur lernen, Nahrung zu suchen oder zu fangen, er muss auch mit den anderen Tieren im Wald klarkommen, mit den Tücken der Natur – und mit den Menschen, die ab und zu seinen Weg kreuzen.

Der Pauls sagt: Eine Geschichte, die (fast) ohne Menschen auskommt und einfach ein Tier begleitet, das plötzlich in einer unerwarteten Situation überleben muss, diese Idee hat mich fasziniert. Und umgesetzt ist die Idee noch besser, als ich es mir hätte vorstellen können, teilweise mit menschlichem Auge, teilweise aus der “Perspektive” des Hundes erzählt – ein tolles, kleines Buch! Übrigens, für alle die so große Tierfreunde sind wie ich: hätte ich nicht vorher gewusst, dass das Buch ein Happy End hat, hätte ich es gar nicht erst gelesen… ;-)

Bir gün, bir kelime: orman – Wald


Bücherregal (25/2011)

4. September 2011

Bas Kast – Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft…

… – Die Kraft der Intuition. Ich sollte nicht tagelang warten nach der Lektüre, bis ich die Rezension schreibe, vor allem nicht, wenn ich das Buch schon wieder der Zentralbibliothek zurückgeben musste… Deswegen dieses Mal ausnahmsweise die Zusammenfassung von amazon.de statt meiner eigenen:

Darum geht’s: “Die Wissenschaft entdeckt die Gefühle. Jahrhundertelang galt die Vernunft als das Maß aller Dinge. Doch inzwischen kommen Neurowissenschaftler und Psychologen zu ganz anderen Ergebnissen: Das Denken lässt sich vom Fühlen nicht trennen. Während sich die Ratio oft eindimensional, um nicht zu sagen: dumm verhält, erweist sich das vermeintlich Irrationale als klüger als die Vernunft. Bas Kast ist für dieses Buch einmal um die Welt gereist. Er ist in Labors von Amsterdam bis Sydney der Vernunft des Irrationalen nachgegegangen und hat sich sogar im Selbstexperiment mit einem Magnetstimulator für kurze Zeit den Verstand abschalten lassen. Das Ergebnis seiner Recherchen ist eine kurzweilige Expedition in die gar nicht so unvernünftige Welt unserer Gefühle, unserer Intuitionen und unserer kreativen Kräfte.”
Hinzufügen möchte ich noch einen Aspekt, der mich besonders fasziniert hat und der mir auf jeden Fall von diesem Buch in Erinnerung bleiben wird, nämlich die drei Grundtypen des Unbewussten: Leistung, Bindung oder Macht. Eine dieser drei Kategorien beherrscht wohl auch Euer Unbewusstes und steuert so Eure Entscheidungen, Euer Leben mit. Bas Kast schildert einen Test, mit dem man seinen Typ herausfinden kann – was bei mir gar nicht nötig war, denn die Beschreibung eines der Typen passt auf mich sowas von genau… Bin gespannt, ob Ihr meinen herausfindet, wenn Ihr das Buch lest… ;-)

Der Pauls sagt: Es ist nie einfach nur der Kopf oder einfach nur der Bauch, mit dem wir entscheiden. Und keine dieser beiden Instanzen alleine würde uns ein sinnvolles, soziales Leben führen lassen. Von der philosophischen Geschichte über die  wissenschaftlichen Hintergründe bis zu konkreten Tipps für den Alltag reichen die Informationen, die Bas Kast zu diesem Thema zusammengetragen und äußerst unterhaltsam und verständlich präsentiert hat. Lernt Euer Unbewusstes kennen und schätzen, lest dieses Buch.

Bir gün, bir kelime: bilinçsiz (Adj) / bilmeden (Adv) – unbewusst


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